Anderen

helfen

Die Prinzipien der Psychologischen Ersten Hilfe können Ihnen eine Orientierung beim Umgang mit belasteten Patient*innen und/oder Angehörigen bieten. 

Belastungssituationen erkennen

Seien Sie aufmerksam für die mögliche Anzeichen von Stress und Belastung bei Ihren Patient*innen.

Zu den Menschen, die möglicherweise besondere Unterstützung benötigen, zählen:
  • Menschen mit psychischen Problemen, körperlichen oder geistigen Behinderungen
  • Kinder
  • Menschen, die diskriminiert werden könnten
Unterstützen

Im Klinikalltag und speziell während einer Pandemie bleibt oft wenig Zeit, auf Patient*innen einzugehen. Versuchen Sie, sich dennoch Zeit zu nehmen, der*dem Betroffenen zuzuhören und nach Möglichkeit zu unterstützen. Seien Sie aufmerksam und respektvoll. Achten Sie auch darauf, ob Ihr Gegenüber Ihre Unterstützung möchte.

Weitervermittlung

Versuchen Sie, Ihre Grenzen im Blick zu haben. Was können Sie leisten, was nicht? Vermitteln Sie ggf. weiter an andere Hilfsangebote.

Belastungsituationen erkennen

Menschen reagieren unterschiedlich auf Krisen wie die aktuelle Covid-19 Pandemie. Das sind einige mögliche Reaktionen:
  • Angst zu erkranken oder zu sterben
  • Vermeidung von Gesundheitspersonal/Kliniken aus Angst vor Ansteckung
  • Sorgen bezüglich der finanziellen Situation (z.B. Arbeitsplatzverlust durch Quarantäne)
  • Angst vor negativer Bewertung durch Andere und sozialem Ausschluss 
  • Sorgen um die Gesundheit von nahen Menschen
  • Weinen, Traurigkeit, depressive Stimmung
  • Körperliche Symptome, z.B. Schmerzen, Zittern, Appetitverlust
  • Schlafprobleme und Albträume
  • Gereiztheit und Wut
  • Scham und Schuldgefühle
  • Verwirrung, Desorientierung
  • Unfähigkeit, Entscheidungen zu treffen

Unterstützen

Tipps zum Umgang mit extrem belasteten Menschen.

Kommunikation

Diese Strategien haben sich in der Kommunikation mit sehr belasteten Menschen als hilfreich erwiesen:

  • Ort: Wenn es in der Situation möglich ist: finden Sie einen möglichst ruhigen, geschützten Ort für Ihr Gespräch.
  • Aktives Zuhören: Hören Sie aufmerksam zu und versuchen Sie, die Lage der betroffenen Person nachzuvollziehen.
  • Nachfragen: Fragen Sie die betroffene Person nach ihren Bedürfnissen.
  • Sprache: Sprechen Sie ruhig und langsam. Nutzen Sie eine einfache Sprache, vermeiden Sie Fachbegriffe.
  • Nonverbale Kommunikation: Seien Sie sich Ihrer nonverbalen Signale bewusst (Gesichtsausdruck, Körpersprache, etc.). Wenn möglich, nehmen Sie Blickkontakt auf. Begeben Sie sich auf Augenhöhe mit der betroffenen Person (z.B. Sitzen).
  • Respekt und Verständnis zeigen: Respektieren Sie die Gefühle der betroffenen Person. Zeigen Sie ihr Verständnis: “Das ist sicher sehr schmerzhaft für Sie.” Zwingen Sie niemanden zu sprechen. 
  • Informationsvermittlung: Geben Sie sachliche, gesicherte Informationen. Sagen Sie auch, wenn Sie etwas nicht wissen.
  • Grenzen offen ansprechen: Manchmal würde man gerne ein ruhiges Gespräch mit Patient*innen oder Angehörigen führen, der Stationsalltag lässt dies aber nicht zu. Es kann helfen, den Patient*innen und Angehörigen genau das zu kommunizieren.
So können Sie betroffenen Personen helfen, sich zu beruhigen. Nicht alle Techniken helfen bei allen Personen oder in allen Situationen gleich gut. Sie können die Techniken problemlos kombinieren und nacheinander anwenden.
  1. Basis: Ruhige Stimmlage, Augenkontakt halten, signalisieren: “Ich bin hier, um zu helfen.”
  2. Verankerung Leiten Sie die betroffene Person an, beide Beine fest auf den Boden zu stellen und die Füße zu spüren.
  3. Atmung: Leiten Sie die betroffene Person an, ruhig und tief in den Bauch zu atmen.
  4. Fokus aufs Hier & Jetzt: Wenden Sie die 5-4-3-2-1-Technik [Verlinkung] mit der betroffenen Person an. 
  5. In den Körper zurückholen: Leiten Sie die betroffene Person an, den Körper (v.a. Brustbein) mit den Fingern abzuklopfen.

Beruhigung

Bewältigungsmöglichkeiten stärken

Alle Menschen haben in ihrem Leben bereits Krisen gemeistert. Helfen Sie den Betroffenen,ihre Bewältigungsstrategien zu aktivieren. Folgende Fragen können dabei helfen:​
  1. Bedürfnisse erfassen: Was braucht die Person gerade?
  2. Planen: Was sind die nächsten Schritte? Eine Liste zu erstellen, kann Sicherheit geben und Bewältigungsmöglichkeiten aktivieren.
  3. Copingstrategien aktivieren: Wie hat die Person früher Krisen bewältigt? Was konkret hat geholfen? Ermutigen Sie sie, die Strategien wieder anzuwenden.
  4. Unterstützungsnetz aktivieren: Welche Personen aus dem nächsten Umfeld möchte die Person kontaktieren? Wer kann gerade unterstützen? Wobei konkret?

Menschen die von COVID-19 betroffen sind, haben wahrscheinlich ein Bedürfnis nach akuraten Informationen bezüglich: ​

  1. Covid-19: Versuchen Sie, über die aktuellen Entwicklungen (z.B. Infektions- und Mortalitätsraten, Ausgangssperren) in der COVID-19 Pandemie informiert zu bleiben.
  2. Angehörigen:  Versuchen Sie, Betroffenen Wege aufzuzeigen, über die sie mit ihren Angehörigen in Kontakt bleiben können (technische Tipps für Angehörige finden Sie hier [Link])
  3. Sicherheit: Teilen Sie Informationen, wie man sich vor einer Erkrankung schützen kann. Informieren Sie Betroffene über organisatorische und politische Maßnahmen, die zur Bekämpfung von COVID-19 getroffen wurden.
  4. Rechte und Pflichten: Informieren Sie Betroffene über Ihre Rechte im Rahmen der medizinischen Versorgung. Weisen Sie auch auf Pflichten hin, z.B. dem Anweisungen des medizinischen Personals und gesetzlichen Bestimmungen zu folgen.

Informationen vermitteln

Weitervermittlung

Vermitteln Sie an weitere Hilfsangeboten

Sie müssen und können nicht alles Leid auf sich nehmen. Denken Sie daran Ihre Grenzen im Blick zu behalten. Stark belastete Patient*innen oder Angehörige benötigen möglicherweise auch weiterführende psychologische Unterstützung. Vermitteln Sie in diesen Fällen Betroffene an andere Hilfsangebote. Angehörige von Patient*innen können gerne auf unser Angebote verwiesen werden. Sowohl Patient*innen als auch Angehörige haben darüber hinaus die Möglichkeit sich an weitere Hilfsangebote und Kontaktstellen zu wenden.